Alles Lug und Trug

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

der Wald kommt weg und der Strand wird zur Deponie. So wünscht es sich der "Visionär" Rittscher und so betreibt es die Landesregierung. Das Gebiet zwischen Vierow und Wolgast soll zum Industriegebiet Mecklenburg-Vorpommerns werden. Die Motive für diesen Aberwitz sind inzwischen immer klarer: Rittscher arbeitet an der Endlösung der deutschen Atomindustrie, den zentralen Umschlagplatz für atomare Abfälle zwischen Frankreich, England, Deutschland und Russland mit allen Optionen (Flächen) für andere, zusätzliche Varianten wie neue Kernkraft-werke, nach denen sich die CDU bei der Debatte um das "Atomausstiegsgesetz" in der vorigen Woche schon heiser schrie. Neben der atomaren Zukunft Lubmins soll es noch eine "industrielle" geben. Die Landesregierung braucht "Arbeits-plätze" vor der kommenden Landtagswahl. Nach-dem eigentlich alle großen Pläne zerplatzt sind (Airbuss, BMW, Transrapid) und gerade im Mittelstand fast wöchentlich wichtige regionale Firmen wegbrechen (zuletzt Pommernland in Stavenhagen) soll in Lubmin der große wirtschaftliche Aufbruch geprobt werden: mit Bil-

liglohn in der Holzindustrie mit einer Firma

Klaussner, die schon in Wismar nur mit Mühe und ihrer Verbrennungsanlage über die Runde kommt. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Bauministerium eines Herrn Holter, das in allen Gesprächen die Vertreter der BI zum Narren gehalten hatte. Wen wundert’s, bei diesem Chef.

Und es reiht sich ein in eine Kette von Ungeheuerlichkeiten (der Bürgerentscheid ist bis heute nicht entschieden – naja Lichtenhagen hat auch 9 Jahre gedauert, der Atomhafen wird als "Kühlwasserkanal" gebaut, 450 Einwände zum B-Plan werden nicht berücksichtigt …). Landes- und Kommunalpolitiker geben den Bürgern einen peinlichen Unterricht in "Demokratie" und wundern sich bei ihrer eigenen Verlogenheit über die Erfolge von halbseidenen Amtsrichtern.

Schutzwall wird Lubminer vom Wald trennen

Es wird wieder einmal fünf vor zwölf und wir dürfen gerade jetzt nicht den Mut verlieren im Angesicht der Arroganz der Macht. Wir müssen und werden unsere Stimme erheben gegen die Leute, die alles für uns "zu unserem Besten" regeln wollen und dabei nur eigene politische oder wirtschaftliche Interessen verfolgen. Die BI hat bisher viel erreicht und die Schlacht um die Lubminer Heide ist noch lange nicht verloren. Als Herr Rittscher im Februar 2000 angetreten ist, um dem Lubminer Volk sei-ne Visionen näherzubringen, sollte im Mai desselben Jahres der Planentwurf für das "Industrie- und Gewerbegebiet Lubminer Heide" vorgelegt werden. Wir haben mit viel Mut und Engage-ment fast zwei Jahre die Lubminer Heide vor

der Zerstörung bewahrt und darauf können wir stolz sein. Niemand und am allerwenigsten die "Mächtigen" hätten uns dies im Februar 2000 zugetraut.

Am 27. November 2001, nach fast zweijähriger Planungszeit, wurde nun in Voddow der 2. Planentwurf für das "Industrie- und Gewerbe-gebiet Lubminer Heide" vorgestellt, nachdem über 450 Lubminer und über 100 Träger öffentlicher Belange sich mit Bedenken und Anregungen zum B-Planverfahren geäußert hatten.

Spätestens seit diesem Abend sollte sich jeder Lubminer im Klaren sein, was die Stunde geschlagen hat.

 

Wer jetzt nicht Flagge zeigt, sieht weg, wenn Lubmin zu Grabe getragen wird.

Die Lubminer Heide wird es, wenn es nach den Willen der Planer und ihrer Auftrag-geber geht, nicht mehr geben. Wer bei der Vor-stellung des "revidierten" Planentwurfes dabei war, kam sich vor, wie in einem Stück aus dem Tollhaus, denn der Zweckverband und die Lub-miner Gemeindevertreter (am 29. Juni 2000) hatten ja bekanntlich beschlossen, dass sich das Baugebiet nur bis zur Plattenweg erstrecken sollte. Die Gemeindevertreter und der Zweckverband handeln also wissentlich und vorsätzlich gegen ihre eigenen Beschlusslagen und somit gegen den Willen der Mehrheit der Lubminer Bevölkerung.

Nun kann sich ein Krösliner oder Rube-nower Zweckverbandsmitglied ja bequem zurücklehnen und über den Küstenwald der Lubminer entscheiden. Es betrifft ihn ja nicht und das Übel haben die Lubminer auszubaden. Damit ist klar, dass von Kröslin und Rubenow keine Stimme für unseren Wald zu erwarten ist. Die Überplanung kann nur gestoppt werden, wenn Lubmin aus dem Zweckverband austritt und die Beschlüsse rückgängig gemacht werden. Die Gemeindever-tretung hat mit der Beschlussfassung zum Bei-tritt in den Zweckverband ihre Souveränität aufgegeben und kann somit nicht mehr über ihr eigenes Gemeindegebiet allein entscheiden. Nachdem sich unsere Gemeindevertreter in die Hand des "Teufels" begeben haben, können sie nicht mehr anders entscheiden, selbst wenn einige das wollten.

Die BI fühlt sich von den Politikern und insbesondere von den Gesprächspartnern im Bau-ministerium nachhaltig getäuscht. Gerade in diesen Gesprächen kam zum Ausdruck, dass Varia-nten untersucht würden, die eine Industrieansied-lung über der Plattenweg hinaus nicht erforderlich machen würden. Nachdem immer wieder betont wurde, dass der Dialog zwischen Baumi-nisterium, Gemeindevertretung und BI fortgesetzt werden soll, wissen wir nun, woran wir sind. Lü-gen, Hinhalten, Verdunkeln, Aussitzen – der Stil des Dienstherrn Holter hat offensichtlich auch auf die Mitarbeiter übergegriffen.

Ob man mit diesen Methoden nachhaltig über die Runden, sprich über die nächsten Wah-len kommt, werden die nächsten Gemeinderats- und Landtagswahlen zeigen. Wir werden mit allen uns zur Verfügung stehenden Mittel kämpfen, um hier die richtige Antwort zu geben. Dann werden die Karten eventuell neu verteilt. Mit dieser Unsicherheit müssen die "Mächtigen" leben.

 

Über 450 Bedenken von Lubminern wurden nicht berücksichtigt.

In dem neuen Planentwurf ist also nichts von den Bedenken, Anregungen und zwischen-zeitlichen Beschlusslagen eingeflossen. Im Ge-genteil, die Fläche wird noch ausgedehnt. Und um die Lubminer im wahrsten Sinne des Wortes zu beruhigen, hat der Planer einen Schutzwall in den neuen Entwurf aufgenommen. Dieser soll

4m hoch, 10m breit sein und von der Landstraße bis zum Hafen oder dem so genannten Auslauf-kanal reichen. So ein Schutzwall ist für viele Sachen gut. Als Deponie für den Erdaushub, um die ersten hunderttausend Quadratmeter Wald zu roden, als physischer Schutz gegen unliebsame Lubminer und Urlauber usw. Nach der Er-richtung kann dann ungestört die weitere Zer-störung der Lubminer Heide betrieben werden, denn der Wald wird dann nicht mehr zugänglich sein, so dass die restlichen minderwertigen Bäu-me (Aussagen EWN) dann sowieso nicht mehr zu sehen sind. Also können sie auch weg. Lärm-schutztechnisch macht ein Schutzwall jedenfalls keinen Sinn. Immer wieder Lügen und Mogel-packungen – bis hin zur Unerträglichkeit. Nun wird auch klar, warum der Schutzwall im neuen Entwurf enthalten ist. Nicht um die Menschen vor Lärm zu schützen (dann wäre er im ersten Entwurf enthalten gewesen), sondern um genügend Argumente für einen kurzen Prozess zu haben.

Also war die Aussage auf der Gemeinde-vertretersitzung vom 22. November 2001 doch nicht falsch, dass der Wald nicht eingezäunt wird, wenn die EWN den Wald gekauft haben und der B-Plan beschlossen wird. Ein Schutzwall ist schließlich kein Zaun und nach einem Wall hat

ja keiner gefragt.

Von den Grenzen des Baugebietes in westliche Richtung wurde die Zick-Zack-Linie des 1. Planentwurfes "geglättet". Der 1. Entwurf sah vor, dass zwischen der Landstraße L 262 und dem Waldweg (verlängerte Freester-Straße) die Grenze Richtung Nord verläuft, am Waldweg nach Osten schwenkt und dann im Bereich westlich der Kreuzung Plattenweg wieder nördlich Richtung Strand verläuft. Nun soll die Grenze etwa an der Kreuzung Plattenweg/Landstraße L 262 wieder direkt in nördliche Richtung auf den bekannten nordwestlichen Grenzpunkt zulaufen.

 

Der Wald nördlich der Freester-Straße wird damit in einem viel größeren Maße überplant (gerodet) als im ursprünglichen Planent-wurf.

Bei der Vorstellung wurde jedoch davon gesprochen, dass kein Baum gefällt werden muss, "solange keine Investoren kommen". Aber gerade für diese wird hier mit einem Millionenaufwand geplant.

Bei der Vorstellung des neuen B-Planes wurde auch ausgeführt, dass als Folge der Indus-trieansiedlung auch der Verkehr dramatisch zu-nehmen wird. Mit dem neuen Plan wurde ein so genanntes Verkehrsgutachten vorgelegt, dass von einer erheblichen Vermehrung des Kfz-Verkehrs ausgeht. Der Verkehr zwischen Kemnitz und Greifswald (schon jetzt die meistbefahrene Land-straße in M-V) wird von ca. 10.000 Fahrzeugen pro 24 Stunden auf ca. 17.500 Fahrzeuge pro Tag zunehmen. Die entspricht alle 5 Sekunden ein Fahrzeug – vom Moped bis zum Sattelschlepper. Rechnet man die Nachtzeiten heraus, in denen kaum gefahren wird, werden die Abstände noch kleiner.

Der künftige B-Plan enthält entlang des Auslaufkanals die Festsetzung einer Kai-Anlage. Jetzt erklärt sich auch, weshalb die Zweckver-bandssitzung vom 15. November 2001 auf den 27. November 2001 verschoben wurde. Es durfte erst am 27. November 2001 öffentlich bekannt gemacht werden, dass ein Hafen gebaut werden soll, denn es wurde erst die Woche vor dem

27. November 2001 eine Genehmigung zum Neubau eines Auslaufkanals unter Wegfall des alten Auslaufkanals erteilt. In diesem Genehmi-gungsverfahren wurde bewusst vermieden, dieses Bauvorhaben als Hafen zu benennen oder gar nur mit etwas Hafenähnlichem in Verbindung zu bringen. Denn dafür wäre ein aufwendiges und kompliziertes Genehmigungsverfahren nötig gewesen. Die EWN nebst Zweckverband können nun mit der erschlichenen Genehmigung die Umnutzung des Auslaufkanals in einen Hafen anstreben.

Die einzig positive Nachricht des Planers war die, dass keine Windkraft- und Müllverbren-nungsanlagen im Industriegebiet errichtet werden dürfen. Müssen wir das noch glauben? Der Kreis OVP und die Hansestadt Greifswald suchen je-denfalls nach "Zukunftslösungen" für ihr Müll-problem.

Die Begründungen für die Festsetzungen des 2. Planentwurfes sind so simpel wie dreist. Zum einen sei das EWN-Gelände für die angestrebte Nutzung, insbesondere für den Holzinves-tor – andere gibt es ja nicht – nicht groß genug und zum anderen muss die Gasleitung für die zwei geplanten Gaskraftwerke in einem Abstand von etwa 900m um das Zentrale-Abkling-Becken (ZAB) verlaufen. Dazu wurde in der Zweckver-bandssitzung ausgeführt, dass durch die Trassen-führung ohnehin ein gewaltiger Einschnitt in den Küstenwald erfolge, so dass die Fläche zwischen Gasleitung und EWN dann auch gleich für die Industrialisierung genutzt werden könnte. Eine Erweiterung des Geländes nach Süden soll ange-blich immer noch an den Einwänden der Forst-behörde scheitern.

Haben der Planer, der Zweckverband und die EWN die Einwände der Lubminer wirklich gelesen?

 

Perlen und Fusel für das Volk.

Aber es werden ja bald Millionen nach Lubmin fließen. Straßen, Ortskern, Strandprome-nade, ja sogar eine Mini-Marina für Sportboote an der Seebrücke sollen geschaffen werden. So will man nun die Lubminer blenden. Fakt ist, dass die Fördertöpfe für ein ganz konkretes Projekt, die Umgestaltung des Sportplatzes, verschlossen blieben. Für den Fall, dass es auch keine weiteren Fördermittel gibt, wird man nach Schuldigen suchen. Sollen dann diejenigen, die Bedenken zur Entwicklung des Industriegebietes, zum Hafenbau und zur Strandaufspülung äußern, die Bösen sein? Kein vernünftiger Mensch wird aber touristische Fördermittel in ein "Industrie-bad" stecken. Damit stehen die wahren Schul-digen fest: unrealistische "Visionäre", unfähige Planer und Gemeindepolitiker, die am Volk und den Interessen der Bevölkerung vorbei regieren.

Der Hafen heißt Auslaufkanal

Dem Staatlichen Amt für Umwelt und Natur (StAUN) liegt seit April 2000 der Antrag auf die "Neuverspundung/Sanierung des unteren offenen Auslaufkanals" (Antrag: 27. Juni 2000) und der "Ersatz des oberen offenen Auslaufka-nals durch einen tiefer gelegten neuen Auslauf-kanal unter Wegfall der Energierückgewinnungs-anlage" (Antrag: 5. April 2000) vor.

Ein umfangreiches Material, mit dem man die Anträge und Nachträge zur wasser-

rechtlichen Genehmigung Auslaufkanals unter absichtlicher Vermeidung der eigentlichen Bezeichnung "Hafen für die Holzindustrie und die Atommüll-Händler und andere allerdings

bislang unbekannte Investoren" fachlich zu begründen versucht. Vieles ist aufgeboten, was man an gut bezahlten Gutachtern so unter Vertrag hat. "Fröhlich & Sporbeck" für die Umweltver-träglichkeit, TÜV Nord für die Technik, Umwelt und Rohstoff Technologie (URST) Greifswald für die Hydrogeologie, Architekten und Ingenieurs Union (AIU) Stralsund für das Kühlwasser, und viele andere mehr. Gutachterlicher Overkill sozusagen. Dafür gibt’s eine einfache Erklärung: Man will einen Hafen bauen, aber dieses Vorhaben "Kühlkanal-Sanierung" nennen. Dazu benötigt man natürlich viele Gutachten, denn die einfache Sanierung nach den technischen Erfordernissen kann für die Entsorgung des KKW-Kühlwassers (ca. 2.000–4.000 m3/h) ohne weiteres mit geeignet dimensionierten Rohrleitungen erfolgen. Es ist ein Auslaufkanal für das ehemalige KKW, dass muss man wissen, da in diesem Geneh-migungsverfahren gleichzeitig versucht wird,

den Kanalumbau mit dem Bau zweier Gas- und Dampfkraftwerke mit einem Kühlwasserdurch-lass von insgesamt max. 200.000 m3/h zu be-gründen. Trotzdem bleibt der Antrag unschlüssig,

denn kein Gutachter kann erklären, warum für die Kühlung von 8 geplanten KKW-Blöcken mit einer Abwärme von etwa 7 GW der bisherige Kanal ausreichend war (und als gelungene technische Lösung gepriesen wurde), wohingegen die beiden geplanten GuD Kraftwerke mit ihrem ho-hen Wirkungsgrad und einer Abwärme von weniger als 2 GW einen "Auslaufkanal mit Einlauf-becken" brauchen, dessen Kanalquerschnitt etwa das 5-fache des alten Kanals beträgt. Wenn man jetzt mit spitzem Bleistift zu rechnen beginnt

und diesen 5-fachen Querschnitt als Grundlage nimmt, die derzeitige Kühlwassermenge des KKW (max. 4.000 m3/h) in das Verhältnis zu der am 8. August 1972 geplanten und genehmigten Kühlwassermenge von 684.000 m3/h für das vollständig in Betreib befindliche KKW setzt, ergibt sich sogar eine ca. 855-fache Überdimensionierung des Kanals. Selbst wenn behauptet wird, dass dies eine Maßnahme für die neuen Gaskraft-werke sei, ergibt sich nach derselben Rechnung immer noch eine 17-fache Überdimensionierung. Ein gewaltiges Bauwerk entsteht damit, der untere Auslaufkanal mit Mole wird von bisher 32m auf 107m (von Dammkrone zu Dammkrone) verbreitert und von bisher 4,5m auf 7m vertieft. Warum, wenn man bedenkt, dass die Tiefe des Boddens im Bereich der Molenköpfe weniger als 3m beträgt?! Das ERA-Bauwerk (Energie Rück-gewinnungsanlage) und der bisherige obere Aus-laufkanalteil werden niveaugleich mit dem unteren Kanal ausgeführt und mit 7m Tiefe damit direkt schiffbar. Zum KKW-Gelände hin verbreitert er sich zum "Einlaufbecken" mit dem eigentlichen Hafen.

230m lang und 175m breit wird das Hafenbecken, pardon – das Kühlwasser-Einlaufbecken.

Genauso wie ihn die EWN in den Hoch-glanzprospekten zur EXPO mit Schiffchen drauf abgebildet hat und inzwischen der Zweckverband "Lubminer Heide" in seinem B-Plan vorsieht. Es wird also ein Hafen gebaut, und der heißt Kühl-kanal. Ein Musterbeispiel für Rosstäuscherei. Bei Werbereden für die Öffentlichkeit ist’s immer schon ein Hafen mit 8 Liegeplätzen gewesen. Für die Genehmigungsbehörden ist’s jetzt zur großen Überraschung die "Sanierung des Kühlkanals", nichts weiter. Kleine Schönheitsfehler haben sich allerdings eingeschlichen ins betrügerische An-tragswerk: Da ist vom Bundesgrenzschutz die Rede, der wegen des Wellenschlages für seine Boote eine "geböschte" Bauvariante der "gespundeten" vorzieht (von Molenbauwerk und Kanal ist die Rede). Was macht denn der BGS an einem Kühlkanal, so fragt sich der Laie. Dass er einlaufende Schiffe bewachen und beschützen soll, die Castoren und Atom-Müll transportieren, das macht schon eher Sinn … Man denkt eben an alles!

Warum der Hafen "Kühlkanal" heißen muss? Damit er nicht in komplizierte und lang andauernde Genehmigungsverfahren hineingerät, so dass er auf dem bekannten "kleinen Dienst-weg" genehmigt werden kann. Ansonsten könnte jemand den offensichtlichen Unsinn bemerken: Am Bodden gibt’s bereits 4 Häfen (Greifswald-Ladebow, Vierow, Peenemünde, Wolgast) im Abstand von wenigen Kilometern entlang der Küste, etwas weiter dann noch Stralsund und Sassnitz-Mukran. Also wozu noch einen? Wo doch alle den Mangel an Umschlag beklagen

und am öffentlichen Finanztropf hängen? Aber die Vermeidung von Atommülltransporten über Straße und Schiene rechtfertigt wohl jeden Auf-wand, jeden Unsinn.

Der Baubeginn soll nächstes Frühjahr sein, rechtzeitig zur Landtagswahl (erster Spaten-stich, wir in M-V tun alles für Arbeitsplätze!), rechtzeitig auch zu Saisonbeginn, so dass die Urlauber mit Schrecken fliehen werden und die Lubminer ihren Gästen erklären müssen, dass das noch zwei Jahre so weiter geht und dann erst richtig losgeht, und dass sie besser weiter fahren sollen. Mehr als 1 Million Kubikmeter Aushub müssen bewegt werden, ein großer Teil davon wird vielleicht zu Saisonbeginn an den Lubminer Strand gekippt. Vieles geht per LKW zum Hafen Vierow, von dort weiter per Schiff. Das Bau-material kommt über die Landstraße per LKW oder über den Vierower Hafen und dann per LKW. Die Baustelle ist Tag und Nacht in Betrieb, Spundwände rammen, Betonabbruch, Dämme schütten, baggern und nochmals baggern, die Herren haben’s eilig. Wir Lubminer und unsere Badegäste, sofern noch einer da bleibt, werden viel Freude haben in den nächsten Jahre. Da macht dann das Geräusch der Kettensägen im Wald auch nichts mehr aus, gesägt wird ja in Lubmin immer sehr gern und schnell.

Sie glauben, das gibt’s alles gar nicht? Dann fragen Sie doch Ihren Bürgermeister und die Damen und Herren des Zweckverbandes und vergessen Sie nicht die Behörde, die trotz deutlichen Hinweises durch uns mit offensichtlich geschlossenen Augen den Hafen in Gestalt eines Kühlkanals genehmigte.

Was können wir tun?

Der neue Planentwurf zum Industrie-

und Gewerbegebiet Lubminer Heide wird vom

13. Dezember 2001 bis zum 25. Januar 2002 im Amt und den Räumen des Zweckverbandes ausliegen.

Nutzen Sie diese Gelegenheit und schauen Sie sich die Entwürfe an. Während der Zeit, in der der Plan ausliegt, haben Sie die Möglichkeit, sich schriftlich mit Anregungen und Bedenken zu diesem Planentwurf zu äußern. Dieses Schreiben lassen Sie dann dem Zweckverband Lubminer Heide, Postfach 1125, 17507 Lubmin, zukommen. Wir als BI sind natürlich gerne bereit Ihnen hierbei Hinweise und gegebenenfalls auch Unter-stützung zu geben. Nutzen sie unbedingt diese Chance, um ihre Bedenken zu äußern!

Erst wenn wir die Lubminer Heide

verloren geben, ist sie auch verloren!

 

Bis dahin kämpfen wir mit allen gesetzlichen Mitteln weiter. Es stehen uns immer noch alle juristischen Möglichkeiten und die nächsten Wahlen zur Verfügung, um die Demokratie einzufordern. Das Urteil vom Oberverwaltungsge-richt zum Graben 60 hat den "Mächtigen" aufgezeigt, dass ihre Einflussnahme vor Gericht endet.

Der Wald ist nicht verkauft

Die offenbar gezielt in Lubmin gestreu-ten Gerüchte, dass der Küstenwald verkauft sei,

entsprechen nicht den Tatsachen. Der EWN GmbH ist es bisher nicht gelungen, den Wald zwischen Lubmin und dem EWN von einer Lub-miner Gemeinschaft zu kaufen.

Zum Glück für den Wald – kann man doch davon ausgehen, dass die EWN und der Zweckverband ansonsten freie Hand mit der Industrialisierung dieser Fläche und damit mit der vollkommenen Zerstörung der Lubminer Heide hätten.

Wird der Strand von Lubmin eine Erdstoffdeponie?

Auf dem Gelände des 1991 abgeschalteten Kernkraftwerkes Nord in Lubmin bei Greifs-wald wollen die Energiewerke Nord (EWN) einen Hafen errichten. Getarnt wird das Projekt unter dem Deckmantel der Sanierung des Aus-laufkanals. Der dabei anfallende Erdaushub soll am Strand von Lubmin zu dessen Erweiterung aufgespült werden. Zahlreiche Bürger hegen Zweifel daran, dass diese Aufspülung für ein Seebad die passende Werbung ist. Gibt es Alter-nativen?

 

Die Interessen passen gut zusammen:

1. Beim Hafenneubau, den die EWN für die Genehmigungsfähigkeit vorläufig noch als "Abwasserkanal für Kraftwerke" bezeichnen, werden über 1 Mio. m3 Erdaushub anfallen und sollen möglichst kostengünstig entsorgt werden.

2. Der Strand von Lubmin wird jährlich um einen halben Meter abgetragen, so dass er bald einmal wieder aufgespült werden muss, letztmals war das 1988. Das kostet einer 1.800-Seelen-Gemeinde sehr viel Geld.

3. Das StAUN Rostock ist für den Küs-tenschutz von gefährdeten Ortslagen zuständig und hat auch wenig Geld.

 

Also gibt es scheinbar eine Lösung:

Die EWN schenken der Gemeinde den Sand frei Haus. Das StAUN pflanzt Strandhafer darauf, und die Gemeinde bezahlt die notwendigen Anpassungen an der Strandpromenade, die Zugänge und die weitere Begrünung. Das sieht nach einer prima Lösung aus!

Vor allem für die EWN; denn sie lassen Sand einfach ein paar hundert Meter um die Ecke spülen. Bei über 1 Mio. m3 ist das eine Lösung, bei der man Millionen einsparen kann. Für den Abtransport über die Straße für eine anderweitige Entsorgung wären z.B. über 25.000 Großraum-Kipper nötig. Eine derartige Kostenreduzierung beim Erdaushub erspart den Planern im EWN hoffentlich die Erklärung, warum der neue Ab-wasserkanal um das mindestens 12-fache über- dimensioniert ist. Denn der als Abwasserkanal getarnte Hafen wird durch die EWN finanziert, die dieses Bauwerk selbst nicht benötigen und auch nie betreiben werden. Aber da die EWN ein Haushaltsunternehmen des Bundes sind und somit aus Steuermitteln finanziert werden, spielen Kostenberechnungen und Investitionsbegrün-dungen in den Planungen offensichtlich keine Rolle. Bisher wurde alles geschickt eingefädelt und gegenüber den Behörden und den Politikern plausibel erläutert, eine gehörige Portion Leicht-gläubigkeit vorausgesetzt.

Das eigentliche Problem liegt aber nicht in den Kosten; denn darüber wird ja nicht gesprochen. Es ist vielmehr der Sand selbst, Sand des KKW, eines Atomkraftwerkes sowjetischer Bau-art, das zumindest für Informationen über Stör-fälle nach außen absolut dicht war. Über eventuelle Kontaminationen über das Abwasser oder örtliche Schadstoffbeseitigungen ist draußen wenig bekannt geworden. Eines steht jedenfalls fest, der Auslaufkanal durfte laut wasserrechtlicher Genehmigung vom 8. August 1972 als Ab-gabepfad für radioaktive Stoffe genutzt werden. Ob wirklich immer die vorgegebenen Grenzwerte eingehalten wurden, kann man heute nur schwer nachvollziehen. Das fördert natürlich das Miss-trauen und Befürchtungen, die auch durch genaueste Messungen nicht restlos beseitigt werden können; zumal man auch die Auswirkungen auf das Image des nahe gelegenen Seebades nicht mit Messgeräten erfassen kann.

Wer bisher nach Lubmin zum Urlaub kam oder sich hier in der reizvollen Landschaft angesiedelt hat, akzeptiert die Nachbarschaft mit den stillgelegten Atommeilern. Tausende tummeln sich an heißen Sommertagen im Bodden und am Strand. Denn bisher konnte keine Häufung ge-sundheitlicher Schäden in der Region medizinisch festgestellt werden.

Aber dass nun erhebliche Mengen Erd-stoff das KKW-Gelände in Richtung Strand verlassen sollen, erzeugt Unbehagen und bei empfindlichen Badegästen sicher ein unbegründetes Hautjucken, so wie ein bereits benutztes Hand-tuch in einem neuen Hotelzimmer. Vielleicht werden dann die Urlausgäste seltener kommen oder eher abreisen, vielleicht stört sie das aber auch nicht. Nur, wer weiß das mit Sicherheit

vorher? Ist der Sand einmal aufgespült, ist es

zu spät.

Die Bädergemeinden an der Südostküste der Insel Rügen wollen ein solches Risiko nicht eingehen und lehnten das Sand-Schnäppchen rundweg ab: Kein Risiko für das Image ihrer Strände! Die Lubminer Gemeindevertreter sind da entweder weniger sensibel oder aber beeinflusst und befangen.

Muss es wirklich der Sand aus dem Aus-laufkanal des KKW sein? Gibt es denn keine andere bezahlbare Lösung für die Rettung des Strandes von Lubmin?

Eine umfassende Erläuterung der Pläne, auch nur der Vorstellungen der Gemeinde zu diesem Vorhaben wurde bisher barsch durch den Bürgermeister Matthias Lietz abgelehnt. Die schriftliche Anregung unserer BI, zu diesem Thema umfassend auf einer öffentlichen Einwoh-nerversammlung zu informieren und anschlie-ßend eine Meinungsbildung in der Bevölkerung herbeizuführen, stieß natürlich bei Bürgermeister Lietz nicht auf offene Ohren. Es ist offensichtlich einfacher, die Bürger vor vollendete Tatsachen zu stellen und damit jede Diskussion, Anregungen und Bedenken zu vermeiden. Eine äußerst fragwürdige Gemeindepolitik!

(Zu diesem Thema haben Sie die Mög-lichkeit, an unserer Umfrage im Internet unter www.lubminer-heide.de teilzunehmen.)