Die BI im Dialog

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

am 30. Mai besuchte eine dreiköpfige Delegation unserer Bürgerinitiative Minister-

präsident Rngsdorff in der Schweriner Staats-

kanzlei. Anlass war die Übergabe von mehr als 2000 Protestkarten „SOS-Lubminer Heide“. Die Vertreter unserer BI konnten dem Minister-

präsidenten unseren Standpunkt darlegen und es wurde ihnen eine sorgfältige Prüfung unserer Bedenken zugesagt. Wir begrüßen die Offenheit der Landesregierung, über dieses Thema mit der BI ausführlich und auch in Zukunft kontinuierlich zu sprechen. Dies ganz im Unterschied zum Zweck-verband „Lubminer Heide“, der die Vertreter der BI am 14. Juni kurzerhand wieder auslud als Herr Leipold vom „Holzinvestor“ Klausner sein aktuelles Projekt präsentierte.

In allen Gesprächen auf allen Ebenen geht es der BI um die grundsätzlichen und oft wiederholten Positionen:

der Wald bleibt stehen,

keine umweltschädliche Industrie auf das ehemalige KKW-Gelände,

kein Hafenbau im Flachwassergebiet und

die Entwicklung Lubmins als Seebad.

Von diesen Positionen können und werden wir nicht abweichen!

Dennoch gibt es viele Chancen, den Spa-gat zwischen Seebadentwicklung und Schaffung gewerblicher Arbeitsplätze in Lubmin zu realisieren. In den Gesprächen mit der Landesregierung sollen diese Möglichkeiten nun ausgelotet und Alternativen zur rücksichtslosen Industrialisie-rung Lubmins aufgezeigt werden.

Bei der angeblichen „Vermarktung“ des KKW-Geländes wird es zudem in letzter Zeit immer deutlicher, dass dieses vollkommen für neue atomare Optionen freigehalten werden soll. Die Industrialisierung findet im Walde statt. Pech nur, dass es im Wald keinen Platz für Klausner gibt. Der Grund für diese aktuellen Entwicklungen sind angebliche radiokative Verseuchungen des Gelän-des, das deshalb nicht „freigemessen“ werden kann. Dieses Märchen kennen wir schon vom Graben 60. Wenn es aber tatsächlich so wäre, fragt man sich, was Rittscher seit 10 Jahren eigentlich vermarkten will und wie er seine tollkühnen Pläne vom „Synergiepark“ verwirklichen möchte. Vermutlich mit den inzwischen aus Steuermitteln aufgekauften Wald-flächen der Gemeinden Lubmin und Rubenow! Unredlichkeit ist keine gute Basis für einen Dialog. Diese Methoden verraten viel über die Absichten und machen nach und nach auch Verantwortliche in den Ministerien stutzig.

Im Dunkeln ist gut munkeln...

Es sind die Ereignisse und die Informa-tionsfülle, die uns zu dieser Eile mit dem Info-Brief 7 bewegen; denn bekanntlich haben Infor-mationen aus der Politik ein sehr kurzes Verfalls-datum. Einmal abgesehen von Informationen aus dem Hause EWN Energiewerke Nord; denn da unterscheiden sich die heutigen kaum von denen von vor über einem Jahr. So differiert der am 14. Juni 2001 von Herrn Peter Leibold von der Fa. Klausner (KHL Klausner Holz Lubmin) vorgestellte Plan nur unwesentlich zu der zur EXPO 2000 von den EWN dargestellten Vision für einen Synergiepark Lubminer Heide. Diese Vi-sion wiederum wurde bereits im Februar 2000 vom EWN-Chef Dieter Rittscher als Segen für die Region propagiert, was aber den unerwarteten Unwillen der Bevölkerung weckte. Der Klausner-Plan ist nun wirklich kein Papier, das es verdient in einer Geheimsitzung nur einem streng ausgewählten Gremium vorgestellt zu werden. Aber er ist es zweifellos wert, vor der Öffentlichkeit verborgen gehalten zu werden, wenn nicht wieder eine Welle der Entrüstung ausbrechen soll. Denn nun sind es wirklich nur noch die von den Folgen der Industrialisierung nicht betroffenen Politiker aus Schwerin und Anklam sowie die Volksvertre-ter in Lubmin u.a., die volles Verständnis für die Vernichtung der Lubminer Heide aufbringen können, wenn sich der Arbeitsplatz-Nebel über sie senkt und sie den segenbringenden Worten eines Herrn Rittscher oder seiner Refrainsänger mit offenem Munde und glänzenden Augen lauschen und kritiklos Glauben schenken. Nur ein solches Publikum ist es wert, in die Geheimpläne eingeweiht zu werden. In solch besinnlichen Stunden könnte natürlich ein BI-Vertreter allein mit seiner Anwesenheit stören, so dass die vom Bauminis-terium zugesagte Einladung vom Zweckverband schleunigst zurückgezogen wurde.

Verständlich ist diese Vorsorge allemal, muss man doch damit rechnen, dass unkontrolliert eine der zahlreichen offenen Fragen die Har-monie stört und den scheuen Investor eventuell gar verunsichert, wo doch Herr Leibold selbst zwei Einladungen der BI bisher unbeantwortet ließ. Da ist sein Wunsch nach Akzeptanz in der Bevölkerung als eine Bedingung für seine In-vestition durchaus verständlich. In einigen Ministerien in Schwerin scheint unser Appell „Reden Sie mit uns und nicht über uns!“ dagegen positiv aufgenommen worden zu sein. Ein erstes Gespräch fand kürzlich statt und wird Fortset-zung erfahren. Das empfehlen wir auch der Fa. Klausner, bevor sie mit ihren Planungen fortfährt.

BI trifft Harald Ringstorff

Auf keinen Fall darf Wald gerodet werden! Mit dieser Forderung haben sich über 2.000 Bürger aus der gesamten Bundesrepublik in einer Protestkartenaktion an den Ministerpräsidenten von M-V Herrn Dr. Ringstorff gewandt, neben zahlreichen Einwohnern der Region auch viele 100 Waldfreunde aus den anderen Bundesländern.

Am 30. Mai 2001 weilte eine dreiköpfige Abordnung der Bürgerinitiative „Zukunft Lubminer Heide“ in Schwerin, um die Karten zu übergeben und dabei in einem 50-minütigen Gespräch mit dem Minis-terpräsidenten nachhaltig auf unsere Ziele hinzuweisen.

„Wir sind ebenso wie Sie und die Landesregierung an der Schaffung neuer Ar-beitsplätze in Lubmin interessiert, nur muss dazu nicht Küstenwald gerodet werden“, leitete der BI-Vorsitzende Dr. Klaus Kühnemann die Diskussion über notwendige Variantenuntersuchungen zu möglichen Stand-orten und zum Flächenplan ein. Nach Ansicht der BI ist der Spagat zwischen Seebad und Industrie durchaus möglich, wenn verantwortungsbewusst, ideenreich und mit gutem Willen an diese komplizierte Aufgabe herangegangen wird.

Der Ministerpräsident betonte dagegen, dass allein der Standort Lubmin der Fir-ma Klausner die geforderten Bedingungen bieten kön-

ne, wobei die Landesregie-rung sorgfältig die Einhaltung der Gesetze im Zuge der Bau-leitplanung prüfen werde.

Die Einbeziehung der Bürger allein über mögliche Einwände im Planverfahren und deren Abwägung durch den Zweckverband reicht aber bei diesem wichtigen Vorhaben nicht aus, betonte Martina Hoffmann von der BI, zumal in jedem der bisherigen Gespräche mit vier Landesminis-tern die Notwendigkeit eines Dialogs bekräftigt wurde.

Zu viele Fragen zu den Plänen seien bisher unbeantwortet geblieben oder zu pauschal abgetan, was dem Ministerpräsidenten an einigen Beispielen und mit Planungsskizzen auch deutlich gemacht werden konnte. Zu oft sei Leicht-gläubigkeit gegenüber bestimmten Aussagen bei den Randbedingungen für die Planung festzustellen. Ringstorff werde den Sachstand zu den Pla-nungen in den zuständigen Abteilungen auch hinsichtlich der Erarbei-tung und Bewertung von Varianten prüfen lassen. So war die Einbeziehung neutraler Fachleute zur Begutachtung der Pla-nungen auch einer von sieben Vorschlägen, die die BI dem Ministerprä-sidenten zur Rettung des Waldes empfahl. Am Beispiel des Widerstandes gegen den geplanten Abriss der neuen Kläranlage Lubmin wurde letztlich deutlich, dass es den Mitgliedern der BI doch nicht nur um rein private Grundstücksinteressen geht, wie so oft behauptet wird. Abschließend bekam der Ministerprä-sident als Erster den InfoBrief 6 überreicht und eine Einladung zum politischen Frühschop-pen im Rahmen der diessjährigen Aktions-tage der Bürgerinitiati-ve.

Brief an den Ministerpräsidenten

Ministerpräsident von

Mecklenburg Vorpommern

Herr Dr. Harald Ringstorff

 

 

 

Lubmin, den 30.05.01

 

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

Sie gaben uns heute die Möglichkeit, mit der Übergabe einer Postkartenaktion zur Rettung des Waldes in der Lubminer Heide über das Grundanliegen unserer Bürgerinitiative zu diskutieren. Dafür möchten wir Ihnen

danken.

 

Als Zusammenfassung unserer Darlegungen möchten wir Ihnen Folgendes empfehlen und vorschlagen:

1. Lassen Sie prüfen, ob für dieses wichtige Vorhaben ausreichende Alternativen für den Flächenplan innerhalb KKW-Fläche unter Einbeziehung der „Südvariante“ untersucht wurden und auf Grund welcher Vorgaben und Randbedingungen. Welche Ergebnisse brachten die Varianten und wie wurden sie bewertet? Lassen Sie die Ergebnisse in einer Anhörung öffentlich darlegen. Lassen sie ggf. Gutachten neutraler Fachleute zu, wenn die Fachkompetenz der Planer nicht ausreichend erscheint.

2. Fordern Sie von den Verantwortlichen – wie Herr Ebnet am 19. März 2001 – einen weitgehenden Schutz des Waldes bei allen Planungen.

3. Lassen Sie die Wirtschaftlichkeit jeder Fördermaßnahme wie bei jedem Zuwendungsempfänger gründlich prüfen.

4. Lassen Sie nicht zu, dass örtliche Entscheidungsträger über die Verwendung von Steuermitteln wie über Geschenke reden und denken, deren sinnvoller Einsatz einem egal sein kann.

5. Lassen Sie die KKW-Flächen in die Flächenangebote für die bedeutenden Entwicklungsstrategien in der Region Rostock–Stralsund–Greifswald zu Biotechnologien, Medizintechnik, „Innovation im Ostseeraum“ usw. aufnehmen und entsprechend anbieten.

6. Lassen Sie nicht zu, dass eine neue Kläranlage für 12 Mio. DM für die südliche Boddenküste wieder abgerissen wird, nur weil sie einem Holzwerk im Wege stehen könnte.

7. Fordern Sie von den Entscheidungsträgern endlich die Aufnahme eines Dialogs im Sinne eines „Runden Tisches“ zur Diskussion verträglicher Alternativen für eine Industrieansiedlung unter einer neutralen Moderation mit: - Energiewerke Nord,

- Investoren und Planer,

- Zweckverband Lubminer Heide und Gemeinde Lubmin,

- Bürgerinitiative „Zukunft Lubminer Heide“,

- Naturschutzbund NABU.

 

Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn wir über das von Ihnen Veranlasste informiert würden und spürbare Verbesserungen für unser Anliegen erfahren könnten.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Birgit Jesske Dr. Klaus Kühnemann Martina Hoffmann

Napoleon aus OVP

Napoleon wußte nach seiner Flucht aus Rußland um die Bitterkeit des Mißerfolgs und darum, wie schnell sich das Blatt wenden kann.

In dem sich verschärfenden Konflikt zwischen der Mehrzahl mündiger Lubminer Bürger und der EWN-Geschäftsführung, maßgeblich vertreten durch Herrn Rittscher, ist Rußland zwar auch ein Thema, aber im Wandel vom Erhabenen zum Lächerlichen liegt deutlich mehr Brisanz. Als Herr Rittscher im Februar vorigen Jahres erst- und letztmalig öffentlich angetreten ist, um uns seine Visionen vom Synergiepark Lubminer Heide nä-herzubringen, war seine über viele Jahre gepflegte Traumwelt noch in Ordnung, da seine Argumen-tationsketten noch keinen belastenden Prüfungen unterzogen worden waren. Wie wenig durchdacht hier auf den Rücken der Steuerzahler Luftschlösser für die Politiker geplant wurden, wird immer deutlicher. Das Hauptargument von Herrn Rittscher, das EWN-Gelände sei ein Energie- und Industrie-standort und muß demzufolge revitalisiert werden, wurde zwar lange hartnäckig verteidigt – aber wenn es um die Sicherung der grundlegenden Interessen eines atomrechtlich genehmigten Standortes geht, gibt es im Ernstfall keine Verschleierungs- und Kompromißfähigkeit.

Herr Rittscher hat nun für alle offensichtlich die Notbremse gezogen und das „Industrie- und Gewerbegebiet Lubminer Heide“ von dem genehmigten Industriegelände auf dem EWN-Gebiet abgekoppelt. Und sein Planer, Herr Witte-kind vom Büro Raum und Energie, ließ im Febru-ar zur Einwohnerversammlung in Lubmin die Ka-tze aus dem Sack, indem er erklärte, daß die atomrechtlich genehmigten Flächen nicht zur Dispo-sition für neue Industrieansiedlungen stünden. Das ganze Geschwätz über Sicherheitsabstände, Termin-ketten beim Rückbau des ZAB usw. diente also nur dazu, die Ungeheuerlichkeit des Vorhabens vor Po-litikern und Bürgern zu verschleiern. Es gehört schon eine gewisse Dreistigkeit dazu, wissentlich ein Industriegebiet in den Lubminer Küstenwald zu planen und gleichzeitig von Revitalisierung des Standortes zu sprechen, ohne auch nur einen Qua-dratmeter von dem zu vitalisierenden Standort Preis zu geben.

„Selbst wenn ein Mann etwas ganz Blöd-sinniges tut, so tut er das immer aus den edelsten Motiven“. Dieses Zitat von Oscar Wilde kennzeichnet gerade in Lubmin die Situation – denn hier wurden alle, die Fragen zur Sinnhaftigkeit stellten, mit den edelsten Motiven mundtot ge-macht. Welches Argument zählt denn schon gegen die Visionen von Herrn Rittscher zur Schaffung von hunderten von Arbeitsplätzen. Daß selbst der ehemalige Abteilungsleiter für Standortentwicklung bei der EWN, Herr Dr. Schneiders, nach vielen erfolglosen Jahren in Lubmin es vorgezogen hat, sich in den sicheren Schoß von Herrn Eichel nach Berlin abzuseilen, zeugt von wenig Vertrauen in die eigene Arbeit oder vom sicheren Gespür für das Lächerliche.

Die BI wird also unbeirrt immer wieder Fragen stellen, auf die sie bisher noch keine befriedigenden Antworten bekommen hat, um zum einen den Schleier zu heben und um zum anderen die volkswirtschaftliche Sinnhaftigkeit zu hinterfragen. Die sich ständig ändernden Gerüchte zum geplanten Hafenbau stehen nach unserer Auffas-sung genauso auf tönernen Füßen, wie die Argu-mentationsketten zur Revitalisierung des EWN-Standortes. Am Anfang war es nur eine Sanierung des Kühlwasserkanals mit Anlegemöglichkeit für Schiffe. Zur Zeit ist es nun doch ein Hafen, weil man öffentliche Mittel zur Finanzierung benö-tigt. Und wieder tauchen die edelsten Motive auf, indem man viele Lubminer an einer empfindlichen Stelle anspricht. Die Strandaufspülung aus den Aushubmassen des Hafenbeckens sollen nun die Küste und den wichtigen Badestrand retten und für die touristische Nutzung sichern. Dagegen kann doch beim besten Willen keiner etwas haben?

Die Flucht aus Rußland war für Napo-leon der Anfang vom Ende. Was danach kam weiß jedes Kind: Waterloo. Bitter ist nur, daß immer die Menschen in der Region die Leid-tragenden sind. Napoleon war in Elba sicherlich nicht glücklich, aber gut versorgt.

 

Scheindemokraten

Alle, die mit der geplanten Industriean-siedlung auf und um das ehemalige KKW-Gelän-de bei Lubmin zu tun haben, beziehen die betroffenen Bürger ein. In Lubmin gibt es Bürgerver-sammlungen und öffentliche Ratssitzungen zum Thema „B-Plan 1“, der Entwurf des Bebauungs- planes wird beim Zweckverband und dem Amt Lubmin zugänglich für jedermann ausgelegt. Je-der darf seine Meinung zu den Plänen frei äußern und Anregungen und Einwendungen dazu beim Zweckverband abgeben. Und die Vertreter des Zweckverbandes müssen sich wirklich ernsthaft mit diesen Einwendungen beschäftigen, versuchen, den Beschwerden abzuhelfen, die erhobenen Bedenken zu zerstreuen. Wahrlich keine leichte Aufgabe bei über 400 Einwänden zu den Plänen der Industrieansiedlung, die ausgewertet, bedacht, gewürdigt werden müssen. Wieder muss abgwogen, gerechnet, entschieden werden, erneut müssen in den Gemeinderäten, im Zweckver-band, in Landtagsfraktionen Mehrheiten gefunden werden. Lästig ist das alles. Da ist es schon ein Glück, dass das alles nur ein Spiel ist, ein Spiel vor den Kulissen für den Bürger und Wäh-ler. Hinter den Kulissen, bei den Ministern, Staatssekretären, Bürgermeistern, Investoren und Betriebsleitern ist das nur Pflichtübung. Denn es gibt wohl kein Wenn und Aber mehr: „Die Holz-industrie um die Klausner Nordic Timber GmbH (KHL) beginnt Ende des Jahres auf dem EWN-Gelände in Lubmin mit dem Bau eines Holzver-arbeitungszentrums.“ (Ostseezeitung vom 14. März 01). Und Abteilungsleiter Degen im Bau-ministerium der Landesregierung teilt Gesprächs-partnern mit: „Das ziehen wir jetzt durch.“

Was durchzuziehen ist, teilt der Ge-schäftsführer des Investors, Peter Leibold, den Politikern mit: Industriebebauung bis an die Wohnbebauung Lubmins heran, Einplanung eines „höheren flächenbezogenen Schallleistungspe-gels“ als bisher angenommen; einzuplanen sei auch der Lärm durch den Abtransport von etwa 50% der Holzprodukte mit LKW. (OZ vom 16./17. Juni 01). Sind er oder der Planer Jürgen Wittekind das Volk dieser Demokratie, dessen Willen die Politiker vollziehen?

Bundestagspräsident Thierse bedauerte in einer Rede in Leipzig, dass die Bürger der neuen Bundesländer in einer „totalitären Melancholie verharren“, und sich deshalb in politischen Fra-gen nicht zu Wort melden. Hätte Thierse gewusst, mit welchem Eifer und Einsatz Lubminer Bürger versuchen, ihre demokratischen Rechte wahrzunehmen und mit welcher Arroganz sie von den Repräsentanten des demokratischen Gemeinwe-sens ignoriert werden, hätte er vielleicht auch ei-nen „Rückfall in die totalitäre Resignation“ diagnostiziert, verursacht durch den Umgang der Machthaber mit den Bürgern.

Aus Fehlern lernen

Ist es wirklich der Teufel, der wiederholt die Gemeindekassen plündert, oder ist es schlichtweg ausgesprochene Misswirtschaft der Gemeinde?

Die Schulden aus der ersten Pleite Teufel-stein vor acht Jahren sind noch nicht getilgt, jährlich sind dafür noch über 300.000,– DM im Ge-meindehaushalt vorzusehen. Und schon wurde ein neues Pokerspiel begonnen:

Der Wohnpark Teufelstein.

Die seinerzeit für die Teufelstein GmbH von der Treuhand für 7,991 Mio. DM erworbenen Flächen über 66 ha sollen nun zum Teil in eigener Regie durch das Bauamt Lubmin für eine Wohnbebauung vermarktet werden. Für 75 Wohnparzellen auf 8,63 ha wurde das Gebiet im vergangenen Jahr mit Versorgungsleitungen und Straßen erschlossen. Mit etwa 3 Mio. DM ist die Gemeinde in Vorleistung gegangen, in der Hoff-nung, dass die Parzellen für günstige 115,– DM pro qm weggehen wie warme Semmeln. Aber wieder einmal: Denkste! Bisher gibt es mal ge-rade 10 Baustellen, und noch nicht mehr als 20 Bauwillige haben sich gefunden. Es wird doch keine beleuchtete Schafweide werden, das B-Plangebiet? Denn davon gibt es bereits einige in der Region.

Bei der Ursachenforschung für das schleppende Geschäft stößt man natürlich … auf die böse BI. Denn nur weil wir laut und deutlich über die unsichere Zukunft der Lubminer Heide diskutieren, informiert sich mancher zukünftige Neu-Lubminer schon mal über seinen Wohnort. Aber dass nun auch noch von Westen her mit Holzindustrie zu rechnen sein dürfte, kann der BI schwerlich auch noch angelastet werden. Viel-leicht gründet sich nun eine weitere BI in Lub-min: „Zukunft des Buttermilch-Grabens“ oder so ähnlich. Erfahrungen werden bereitwillig vermittelt. Nur die guten Ratschläge für cleveres Wirt-schaften müssen sich die Gemeindeväter und

-mütter schon selbst besorgen, aber dafür gibt es ringsum auch gute Beispiele. Erstaunlich ist nur eins: etwa die Hälfte der heutigen Gemeindever-tretung (die Herren Brauns, Gampe, Toletzki, Pabst, Lietz und Tabel) haben bereits aktiv oder passiv schon an der ersten Pleite mitgewirkt. Ein kluger Manager lernt aus seinen Fehlern – ist eine Grundregel in der Wirtschaft. Dem Teufel kann man das drohende Fiasko auf keinen Fall anhängen, der wäre bestimmt cleverer gewesen.

Hokuspokus Fidibus...

Bis Dezember 2003 muss der erste Strom ins Netz fließen, sonst müssen mehr Ökosteuern fließen. Wie lautet doch noch im-mer die große Vision: Gaskraftwerk – Gasleitung – Sägewerk – Holzverarbeitung – Hafen – Ge-werbeansiedlung. „Geben Sie dieser Realität ein Chance!“, ruft’s aus Schwerin, und aus allen Parteien echot es nach. Damit auch jeder versteht, was mit „Realität“ gemeint ist, folgt gleich die Logik der Vision: Ohne Kraftwerk kein Säge-werk, kein Hafen, keine Holzverarbeitung, kein Betonwerk, kein synergierendes Gewerbe, kein Nichts. Fortum futsch, Concord-Power wankt, nur Klausners harren noch der Zusagen. Aber wie soll die Realität nun wirklich aussehen, und wie soll sie entstehen, wenn der erste Strom bereits im Dezember 2003 (neues Ziel: 2004) durch die maroden Leitungen knistern soll, wo doch die Tage des Jahres 2001 bereits wieder kürzer werden?

 

Na da schieben wir die Bedenken doch erst mal rechts ran, und dann fangen wir gleich an! ERA (Energierückgewinnungsanlage) weg, Auslaufkanal runter und ein Stückchen nach

rechts und etwas breiter, damit dann ein Hafen daraus werden kann. Dann fix eine kräftige Brücke darüber, man muss ja ans Kraftwerk ran, um es zu bauen; erst dann ist Baufreiheit. Das müsste aber in diesem Herbst schon so weit sein. Natürlich müssen all diese Arbeiten vorher auch noch geplant und genehmigt werden. Kein Pro-blem! Das üben wir ja gerade mal wieder am Graben 60. Ach so, der muss ja dann auch schon verlegt sein, bevor der Auslaufkanal und die ERA usw. verschwinden. Realistisch ist aber für die Baufreiheit des ersten Kraftwerkes nun wohl doch eher Herbst 2002.

 

Ein Mann arbeitet ein Jahr oder 365 Männer einen Tag. (Bautechnologen-Einmal-eins) Aber wenn erst 2002 mit dem Bau des Kraftwerkes begonnen werden kann, muss man sich sputen. Vorausgesetzt, der Investor für das Gaskraftwerk (GuD) ist auch wirklich schon gefunden, er hat auch die nötigen 1,2 Mrd. DM, weiß woher das Gas kommt, weiß wohin der Strom fließt und weiß, ob sich das auch alles rechnet an einem übervollen Strommarkt in Europa. Aber richtig rechnen müsste er schon, damit er nicht auf das gleiche Ergebnis wie Fortum kommt: „unwirtschaftlich“. Da könnte ein Baubeginn im Herbst 2002 gerade noch möglich sein, realistisch ist aber wohl eher Frühjahr 2003. Aber dann wird das wohl nichts mehr mit Strom im Dezember, oder? Denn selbst wenn ständig 1.500 Bauarbeiter auf der Baustelle sind, brauchen sie etwa 3 Jahre. Dann käme der Strom aber erst Ende 2005 angeknistert. Oder wenn man statt 1.500 Arbeiter über 3 Jahre doch gleich 4.500 für 1 Jahr anstellt, könnte es mit 2003 doch noch was werden (nach der Chinesen-Methode)?

 

GuD-Strom fließt erst 2005. Aber wenn das mit dem Strom erst zu 2005 realistischer ist, kann auch vorher kein Holz gesägt werden, denn der Klausner soll ja der große Stromverbraucher und Abwärmenutzer werden. Dann braucht der ja aber auch erst 2003 mit seinem Bau anzufangen und kann den Wald so lange noch stehen lassen. Auf alle Fälle muss aber der Hafen schon fertig sein, sonst kommt kein Holz. Aber die Kläran-lage muss ja dann schon weg sein. Das geht aber nur, wenn woanders bereits eine neue ans Netz gegangen ist, die aber noch gar nicht geplant und genehmigt ist und auch mindestens zwei Jahre Bauzeit braucht. Nur dumm, das die jetzige Klär-anlage mit Fördermitteln gebaut wurde und deshalb in den ersten zehn Jahren nicht schon wieder abgerissen werden darf, also erst frühestens 2005. Der Klausner kann aber dann erst mit seinem Bau beginnen, so dass die ersten Stämme frühestens 2007 durchs Gatter rasseln. Glück für die Bäume im Wald und für die Straßenbauer, die ja mehrere Umgehungsstraßen bauen müssen, weil doch 50% des Holzes über die Straßen rollen wird.

Wenn aber der erste Strom nicht vor Ende 2005 fließen kann, wird ja dann auch erst das Gas gebraucht, so muss also die Gaspipeline nicht viel früher fertig sein, vielleicht erst im Oktober 2005. Dann ist aber das Zentrale Ab-klingbecken des KKW (ZAB) schon über ein Jahr leergeräumt und braucht keine Schutzzone mehr, also kann die Gasleitung dann doch quer übers EWN-Gelände verlegt werden und muss nicht durch den Wald. Wieder Glück für den Wald.

Wer durchschaut im Voraus nur dieses Geflecht aus Abhängigkeiten und Unbekann-ten? Denn auf Hokuspokus folgt hier nur “Verschwindibus“ – wie bei Teufelstein I.

Und was ist daran nun die Realität und welche Chancen braucht sie? Die große Vision mit ihrer Expansion in den Wald hinein entbehrt jeglicher Realität, wenn man mal einige Kalen-der zur Hand nimmt und ein einfaches Ablauf-diagramm erstellt.

Realistisch ist dann nämlich, dass die Industrialisierung ohne Weiteres auf dem KKW-Gelände erfolgen kann, ohne dass auch nur ein Baum außerhalb zu fällen wäre.

 

Dieser Realität sollten wir eine Chance geben und nicht den oberflächlichen Visionen.

 

(Lieber Leser, wenn sie die obigen Verknüpfungen nicht verstanden haben, liegt das nicht an Ihnen. Selbst dafür gut bezahlte Profis scheinen hiermit noch ihre Pro-bleme zu haben.)