Bürgerinitiative

Zukunft Lubminer Heide“ e.V. Lubmin

www. Lubminer-heide.de

15. INFOBRIEF

Mai 2004


Der Wald muß weg

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

Noch steht der Küstenwald zwischen Lubmin und dem KKW-Gelände! Die Wege wurden für Spaziergänger, Walker und Jogger durch die Gemeinde hergerichtet, wobei allerdings der für eine Rodung vorgesehene Teil unbehandelt blieb. Beim Frühjahrsputz haben Mitglieder unserer Bürgerinitiative (BI) aber den gesamten Wald bis zum Plattenweg von viel Müll und Unrat befreit, woran sich die vielen Osterbesu­cher erfreuen konnten.

Seit nunmehr über vier Jahre bemüht sich die BI darum, den Küstenwald als wichtiges Er­holungspotential für unser Seebad zu erhalten und eine unbestritten notwendige Industrieansiedlung auf die Flächen des ehemaligen Kernkraftwerkes zu beschränken, aber dann auch nur solche Industrie zuzulassen, die dem Seebad Lubmin nicht mit Lärm, Geruch, Staub oder starkem Verkehrsaufkommen schaden kann. Das allein waren und sind die Ziele der BI.

Noch ist kein Baum gefällt, und die Baugeräusche vom Hafenbau sind zeitlich befristet und sicher bald beendet. Also alles okay!? Keineswegs! Denn die Visionen des EWN-Vorstandes und die Pläne des Zweckverbandes sehen leider eine andere Perspektive für den Küstenwald vor. Trotz mannigfaltiger Einwände und Anregungen von vielen hundert Bürgern zu den ausgelegten Planentwürfen wurde kein einziger Strich an dem Bebauungsplan geändert. Mit fadenscheinigen Argumenten und sogar mit Unwahrheiten wurde der Wunsch der Bürger, den Küstenwald doch von einer Bebauung zu verschonen, mit einer Arroganz vom Tisch gewischt, die mit demokratischer Einbeziehung der Bürger in wichtige Entscheidungen nicht das geringste zu tun hat. Selbst der Wirtschaftsminister von M-V Herr Dr. Ebnet sagt zu, daß der Wald nur gerodet wird, wenn es auch Investoren gibt. Im gleichen Atemzug lobt er aber die EWN, bei denen doppelt so viele Flächenwünsche vorlägen als eigentlich bereitgestellt werden können. Also steht heute schon fest, daß der Wald gerodet werden muß.

Die Ampeln stehen auf Grün für die Kettensägen der EWN!














Aber wozu dann immer diese Beschwichtigungen, Vertröstungen und Halbwahrheiten wie “Nur Atommüll aus Lubmin und Rheinsberg ins ZLN”, “Der Auslaufkanal wird kein Hafen.” und nun “Es wird nur Wald gerodet, wenn....”. Wer kann das alles noch glauben, und hält man uns Lubminer wirklich für so naiv, als dass man uns keine Rechenschaft schuldet?

Wann hat der Bürgermeister Herr Lietz die oft angemahnte und sogar zugesagte Bürgerversammlung zum Thema B-Plan Nr.1 - Lubminer Heide einberufen, oder zur Strandaufspülung oder zum Seebad-zentrum?

In der Abschmetterung der Anregungen zum B-Plan wird vom Zweckver­band (ZV) auf drei Seiten siebenmal das Argument verwendet: “Der ZV ist zu der Meinung gekommen,...." oder so ähnlich, Wer ist denn aber dieser all­gewaltige Zweckverband? Die neun Herren aus den Gemeinden Lubmin, Kröslin und Rube­now fühlen sich berufen, uneingeschränkt zu urteilen und zu entscheiden. Die Herren Lietz, Gebhardt und Toletzki vertreten in diesem Gremium die Interessen der Lubminer Einwohner. Können sie sie überhaupt vertreten, ohne sie zu erfragen? Oder vertreten sie andere Interessen, die ihnen vorgegeben werden? Die Meinung der Bürger zum B-Plan haben diese drei Herren jedenfalls überhaupt nicht zur Kenntnis genommen, sonst wären sie zumindest einmal öffentlich darauf eingegangen. Den Kröslinern und Rubenowern kann der B-Plan ohnehin egal sein; denn der liegt ja ausschließlich auf Lubminer Terrain. Warum sollten sie sich für den Küstenwald einsetzen?

,,Der Wald muß weg, damit dringend benötigte Arbeitsplätze geschaffen werden können!" Über die Notwendigkeit neuer Arbeitsplätze streitet auch die BI nicht und hat das in den vergangenen vier Jahren auch nie getan. Aber, daß abgesägter Wald in direkter Beziehung zu neuen Arbeitsplätzen stehen soll, konnte und wollte uns bisher keiner erklären. ,,Die (wartenden) Investoren brauchen die hundert Hektar außerhalb des KKWs!" Aber wieso konnte nach über zehn Jahren mühevoller, fleißiger und sicher auch kostspieliger Investo­renwerbung durch die EWN noch kein einziges Unternehmen auf den hundert freien Hektar des KKW-Geländes investieren und neue Produktionsstätten schaffen? In zehn Jahren: Nichts - aber der Wald muß weg! Das mögen uns die Bürgervertreter in der Abrechnung ihrer Wahlperiode doch bitte erklären, wie selbstherrlich sie zu der Überzeugung gekommen sind, daß es keinen Spielraum für Kompromisse gibt!

Vertrauen für weitere fünf Jahre ist ohne Ehrlichkeit und Mut vor dem Bürger sicher nicht mehr zu erhalten!



Die Zukunft der Lubminer Heide


Wenn es nach dem Willen der Herren Woy, Lietz, Gebhardt usw. geht, wird die Lubminer Heide das Zentrum einer ,,blühenden Landschaft", allerdings einer Industrielandschaft. Deshalb bezeichnete Herr Woy, Vorsitzender des Zweckverbandes ,,Lub­miner Heide" die ZV-Tagung am. 29.03.2004 auch als ;,historischen Moment", weil der ZV den Bebauungsplan Nr. 1- Lubminer Heide (EWN-Flächen und angrenzendes Gelände) erneut als Satzung bestätigte und damit Planungsvoraussetzung für die Industrieansiedlung und die Waldrodung gegeben hat, vorausgesetzt, das Bauministeri­um M-V genehmigt diesen Plan, der mit gleichen Zielen und Aussagen allerdings schon einmal ungenehmigt zurückgeschickt worden war. Aber da auch der Wirtschaftsminister M-V, Dr. Otto Ebnet “gute Chancen für Lubmin sieht”, scheint der Deal in Schwerin schon beschlossene Sache zu sein: Rittscher mach die Sägen scharf!

Ganze fünf Minuten benö­tigten die neun anwesenden Herren für diese historische Entscheidung. Keine Fragen, keine Diskussion, nicht einmal die Verlesung des Wortlautes des Beschlusses waren vonnöten, um eine Einstimmigkeit herzustellen. Aber ein lobendes Plädoyer mit Dank an den unbeugsamen Planer, die helfenden Anwälte und sogar die BI für ihre hilfrei­chen Fragen war dieser Beschluß dem Vorsitzenden doch schon wert. Historisch wohl auch, weil es durchaus der letzte Beschluß sein kann, den diese Herren als Zweckverband gefaßt haben dürften; denn nach den Kommunalwahlen werden die Karten neu gemischt. Ob dann aber der Wald noch zu retten ist?



Demokratie –

Scheindemokratie –

Diktatur


Die demokratische Kommunalverfassung des demokratischen Landes M-V schreibt im § 25 vor, daß in kommunale Entscheidungen mit großer Wichtigkeit die Bürger rechtzeitig einzubeziehen sind. Für wichtige Bauvorhaben schreibt auch das Baugesetz eine öffentliche Auslegung zur demokratischen Mitbestimmung der Bürger vor. Das ist wahre Demokratie!

Nun hatte die kleine Gemeinde Lubmin in letzter Zeit gleich drei solcher großen Vorhaben zu beraten: Der B-Plan Nr.1 für die Lubminer Heide, die Trasse für eine Gashochdruckleitung und den Flächennutzungsplan (FNP) für das Gemeindegebiet von Lubmin.

Alle umfangreichen Dokumentationen lagen öffentlich aus und wurden eifrig studiert und diskutiert. Im Ergebnis entstanden Stellungnahmen aus der Bevölkerung mit zahlreichen Anregungen zu Veränderungen, ja selbst akzeptable Alternativen wurden vorgeschlagen und begründet. Dabei ging es bei allen drei Vorhaben im wesentlichen um die Vermeidung der Waldrodung im Küstenbereich. Insgesamt beteiligten sich weit über tausend betroffene Bürger an diesem demokratischen Prozeß.

Die in den Gesetzen vorgeschriebene Abwägung der eingegangenen Anregungen wird nun zur Farce, wenn sie vom Planer selbst oder von einem Unterstellten vorgenommen wird, denn manche Anregung kann auch eine Kritik an der vorgelegten Arbeit sein. Also liegt es nahe, daß diese Anregungen als unzutreffend abgewiesen werden und die wohlgemeinte Demokratie nur zum Schein durchgeführt wird, also Scheindemokratie.

Zum B-Plan wurden 12 von 13 Punkten abgewiesen (der anerkannte Punkt betraf einen offensichtlichen Fehler), zur Gastrasse ebenfalls alle 12 Vorschläge und zum FNP wurden auch alle 3 Widersprüche abgewiesen. Dabei wurde die Ablehnung stets mit Verweisen auf die vorgelegte Planung begründet, auf die sich aber die Kritiken gerade bezogen. Also einfach abgeschmettert, ohne sich überhaupt mit Anregungen selbst auseinandergesetzt zu haben. Sonst hätte sich bei der Fülle der (gutgemeinten) Anregungen vielleicht die Notwendigkeit einer Rücksprache ergeben, bei der gegenseitige Argumente abgeglichen werden können. Denn wozu sonst fordert man die Bürger zum demokratischen Mitwirken auf? Die Mißachtung der Bürgermeinung spiegelt eine Arroganz der Mächtigen wider, wie sie in einer Diktatur nicht ausgeprägter praktiziert werden kann. Denn man entschied ganz messerscharf, was nicht sein kann, was nicht sein darf (Christoph Lichtenberg).




Endlich kommt Geld in die Region


Um fast eine Mio. Euro steigt die Kaufkraft endlich und plötzlich. Und das ohne neue Arbeitsplätze oder gar schwere körperliche Anstrengungen. Dafür muß man nur etwas besitzen, was andere unter allen Umständen haben wollen und dafür auch jeden Preis bezahlen.












So erging es der Büdnergemeinschaft mit ihrem Wald jenseits des Auslaufkanals und westlich des Plattenweges. Für die zu DDR-Zeiten okkupierten Flächen bekamen sie nachträglich von den EWN 640.000 Euro in Aussicht gestellt. Eine durchaus gerechte Sache, mit einem kleinen Haken allerdings: Das Geld fließt nämlich nur, wenn sie auch die 23,5 ha westlich des Plattenweges an die EWN abtreten. Kuhhandel sagt dazu der Volksmund, Koppelgeschäft nennen es die Juristen. Dafür gibt es dann noch einmal 320.000 Euro. Wer kann da schon standhaft bleiben und an die Zukunft des Waldes denken. Nur ein Eigentümer zeigt Courage und verzichtet auf seinen Anteil von schnellen knapp 10.000 Euro. Bisher allerdings; denn nun wird ihm von dem neuen alleinigen Gesellschafter (EWN) mit Enteignung zum Wohle der Allgemeinheit gedroht.

Sie schieben das Gemeinwohl vor, wo es um nichts anderes als um Gruppenegoismus und Verbandsinteressen geht (Bundespräsident Rau in seiner Berliner Rede über Manager und Politiker in Deutschland, 11.05.2004). Von diesem Gemeinwohl, profitieren letzlich nur private Wirtschaftslobbyisten und bestenfalls noch Politiker.

Und dieses „Allgemeinwohl“, das hier gerettet werden soll, wird - wie immer – mit neuen Arbeitsplätzen umschrieben. So jedenfalls wird der von den Unterhändlern Herrn Herbert Brauns (Gemeindevertreter in Lubmin) und Herrn Herbert Hollmann (Jurist in den EWN) geschlossene Kaufvertrag vom 08.10.2003 begründet.

Daß der Poker mehrere Jahre gedauert hat, zeugt auch von gründlichen Bedenken der anderen Büdner gegen den Verkauf, es kam aber wohl auch dem Kaufpreis zugute. Denn bei diesen Beträgen, die weit über dem eigentlichen Wert des Waldes liegen, wird doch so mancher schwach. So ein Geschäft macht man nicht alle Tage.

Und hier sind die Steuergelder, mit denen die EWN ja für den Rückbau des radioaktiven KKW bezahlt werden, einmal in eine gute Richtung geflossen, aber eben für einen bösen Zweck, nämlich den gekauften Wald so schnell wie möglich abzusägen. Aber was hat der Büdnerwald eigentlich mit dem KKW-Rückbau zu tun?















Seifenblasen schillern in der Sonne und ...... zerplatzen


Nach dem einst so hochgepriesenen Holzinvestor KHL (Klausner-Holz-Lubmin, vormals HWN – Holzwerke Nord Lubmin) ist nun leider ein weiterer wichtiger Standortbewerber für die EWN-Flächen geplatzt: ITER. Eigentlich schade; denn ein solches Vorhaben hätte doch ganz gut zum Standort und auch zur Region gepaßt.

Aber ITER mußte auch lange Zeit dafür herhalten, daß die freien KKW-Flächen nicht anderweitig verplant werden durften. Nun löst sich der Förderverein auf (OZ vom 08.05.04 und 15.05.04), und die überzeugten ITER-Optimisten fungieren selbst als Totengräber, die bekannten Herren Gomolka und Lietz. Das nennt man Treue bis in den Tod!

Ein Umdenken hinsichtlich der Bebauungspläne im EWN wird es deshalb aber noch lange nicht geben. Wann zerplatzt die nächste Illusion? Vielleicht Concord-Power oder??



Frischer Wind gegen den Küstennebel


Am 13. Juni sind Kommunalwahlen in M-V. Nach fünf Jahren werden die Wähler zur Wahlurne gebeten, um die Männer oder Frauen aus dem Ort zu wählen, die die Inter­essen der Bürger wahrnehmen sollen und über die Entwicklung unseres Seebades ent­scheiden. Es ist also eine wichtige Wahl; denn aus dem Kreise der Gemeindevertreter werden auch Lubminer Bürger in die verschiedenen Zweckverbände berufen, um dort Lubmin zu vertreten.

Als Bürgerinitiative, die sich Sorgen um den Erhalt der für unser Seebad so wertvollen

Umwelt macht, sind wir seit vier Jahren mit der Arbeit der Mehrheit der jetzigen Gemeindevertretung in keiner Weise zufrieden. Anstatt auf die zahlreichen Fragen, Beden­ken und Anregungen einzugehen, sie öffentlich zur Diskussion zu stellen und bei ihren Entscheidungen zu berücksichtigen, wurde die BI von Anfang an verteufelt, und es wurde Front gegen die Andersdenkenden gemacht. Anstatt ehrlich und offen miteinander zu reden, um Lösungen zu finden, die beiden Seiten geringe Nachteile, aber weitgehenden Nutzen ermöglichen, wurde geschwiegen, gelogen und heimlich entschieden.

Mißtrauen, Verleumdungen, Intrigen und sogar Feindschaften sind die Folge der un­terdrückten demokratischen Bürgernähe.

In den ersten Jahren hatte die BI wiederholt die Gelegenheit, in Lubmin oder Schwerin Vertretern der Landesregierung, ja selbst vier Ministern, das Anliegen der BI zu erör­tern. Alle haben sie diesen Zielen ihre Unterstützung zugesagt, aber auch stets betont, daß unser Problem in Lubmin die bestehende Gemeindevertretung sei, die den Visionen der EWN vorbehaltlos folgt und die eigenen Bürger dabei außer acht läßt. So wurden selbst von den Ministern empfohlene gemeinsame Gespräche nicht wahrgenommen.

Und wen sollen wir nun am 13. Juni für den Gemeinderat wählen? Sicher nicht wieder diejenigen, die uns über vier Jahre schwer enttäuscht haben!

Eine Wählergruppe verspricht ,,Frischen Wind für Lubmin" und legt dazu auch ihr Wahlprogramm vor. Darin finden wir unsere Wünsche und Ziele für unser Seebad wieder. Also geben wir dem Frischen Wind eine Chance und unsere Stimmen, damit an der Boddenküste endlich der Küstennebel der vergangenen Jahre wegblasen werden kann.

Und wem noch daran liegt, daß sich Lubmin als Seebad weiter entwickelt, sollte am 13. Juni ebenso wählen.



Wess´ Brot ich ess, dess´ Lied ich sing...


... und der Maestro ist zufrieden und stolz auf seine Chorknaben; denn sie singen brav und vollmundig seine Lieder auf den verschiedenen Bühnen der Kommunalpolitik: Herr We. im Singekreis des Wirtschaftsausschusses OVP, Herr Wei. im HGW-Bürgerschaftschor oder Herr L. als Kammersänger in Lubmin. Brav singen müssen sie auch, und sie dürfen nicht aus dem Takt kommen, schließlich bekommen sie nicht nur Gesangstexte und Noten von ihrem Meister, sondern auch ihre monatliche Gage. Besonders Letztgenannter hat mit seiner Solostimme schon viel Beifall erheischt, wofür der Maestro seinen Günstling L. auch für die bevorstehenden Ausscheidungen im Juni kräftig unterstützen wird.

Er braucht ihn nämlich im Amt des Bürgermeisters, um seine Visionen, die sich nicht immer mit den Interessen unseres Seebades vereinen lassen, auch weiterhin durchsetzen zu können. Bisher hat das gut geklappt, Herr L. hat seinen Dienstherrn nicht enttäuscht. Dienstbeflissen hat er jedes erforderliche mehrheitliche Veto der Gemeindevertretung seinem Dienstherrn auf silbernem Tablett servieren können.











Aber der Dienstherr eines Bürgermeisters sollten doch eigentlich die Bürger seiner Gemeinde sein, ihnen sollte er Rede und Antwort stehen, und ihre Anliegen sollten seine Entscheidungen prägen. Da nun aber noch nicht alle EWN-Visionen in gesetzliche Pläne umgesetzt werden konnten, muß Herr L. unbedingt in Lubmin weiter regieren und sein Vertrag mit einer nebulösen Tochterfirma der EWN auch verlängert werden; denn dort wird er bezahlt für die Standortentwicklung – des Industriegebietes, nicht etwa des Seebades.

Wer also Lietz wählt, wählt Rittscher, und wer Rittscher gewählt hat, bekommt Industrie mit Lärm, starkem Verkehr, Umweltbelastungen, Waldrodung und Atommüll ohne Ende, so daß der Refrain des Liedes eines Tages so enden wird:

Lubmin opferte seine Schätze

für anderer Leute Arbeitsplätze.



Auch Schweigen kann Zustimmung sein


An der Lubminer Küste schlagen die Wellen hoch, nicht etwa vom steifen Nord-West, sondern vom westlichen Atommüll. 7.000 Stimmen und mehr haben sich erhoben, um dagegen zu protestieren. Politiker und Parteien haben sich dagegen positioniert. Aber die Gemeindevertretung Lubmins, die Vertretung jener Bürger, die unmittelbar von der Ausweitung der Atommüllwirtschaft betroffen wären, schweigt! In ihrer Sitzung im April d.J. stellte der Abgeordnete Herr Tornow den Antrag, eine Position der Gemeinde gegen die neuen Pläne zu beschließen. Aber die Hardliner in der GV „überzeugten“ die ohnehin EWN-Getreuen davon, daß eine solche Resolution nicht nötig sei, um den großen Bruder auf gar keinen Fall zu verägern. Die Schelte, die sie damals, im Jahre 2001, zu hören bekamen, als sie mehrheitlich für eine Begrenzung der Industrie am Plattenweg stimmten, klingt ihnen noch heute in den Ohren. Da saß aber Herr Tornow noch nicht im Gemeinderat, so konnte er also nicht wissen, daß man sich auf keinen Fall gegen den Wind aus dem Osten zu stellen hat.




Sauberer Küstenwald


Im Rahmen des Frühjahrsputzes im Seebad Lubmin konzentrierten sich Mitglieder der Bürgerinitiative ,,Lubminer Heide" wie jedes Jahr auf die Säuberung des Küstenwaldes zwischen Lubmin und dem Freesendorfer Weg (Plattenweg), damit die Spaziergänger zu Ostern den herumliegenden Müll nicht mit den Ostereiern verwechseln.











In 39 prallvollen Müllsäcken schleppten die Sammler vor allem Flaschen und Bierbüchsen aus dem Wald, als Beweis dafür, daß das Dosenpfand allein kaum zu einer sauberen Umwelt beiträgt. Aber auch auf komplette Hausmüllentsorgungen in blauen Säcken, mühsam ins Unterholz geschleppt, stießen die fleißigen Sammler mehrfach.

Besonders im Bereich des Strandzuganges über den Plattenweg gewinnt man den Eindruck, daß manche Bürger mit ihrem Entsorgungsfleiß beweisen wollen, daß der Küstenwald doch nur minderwertiges Gehölz ist und mehr einer Mülldeponie gleicht, als denn einem Erholungswald. So wurde der gefundeneBauschutt nicht entsorgt, sondern abschreckend am Wegesrand liegengelassen. Vielleicht gibt das dem einen oder anderen Spaziergänger doch zu denken und er unterstützt die Sauberkeit im Wald.



In fremder Presse geblättert:


Unter dem Titel “Greifswald - Zukunft als Atomstandort” erschien in der Studentenzeitung Moritz der Uni Greifswald - vor kurzem ein ausführlicher und auch recht kritischer Beitrag zur Standortentwicklung Lubmins.

Der Verfasser hat dabei recht gründlich recherchiert, zahlreiche Stellungnahmen eingeholt, Interviews geführt und im Ergebnis auch so einiges schonungslos aufgedeckt. Im Mittelpunkt seiner oft bohrenden Fragen standen dabei natürlich auch die Herren Rittscher und Lietz, da sie mit ihren Antworten vielfach eine Fülle neuer Fragen aufwarfen. So war eine der Aussagen von Herrn Lietz, daß er im Tourismus für Lubmin wesentlich weniger Chancen sieht als in der industriellen Entwicklung und der Atommüllbearbeitung. Für den Bürgermeister eines Seebades ist dies schon recht bemerkenswert.

Der Artikel liegt der BI vor und kann beim Vorstand angefordert werden.





Reittourismus nach Lubminer Art

Seebadsatzung Lubmin (vom 06.04.2004): Reiten am Strand: .... ist erlaubt ....ab Heimvolkshochschule in Richtung Vierow ....von April bis Oktober von 4:00 bis 8:00 Uhr


Wer reitet um vier Uhr am Teufelsstein?

Das muß ein Lubminer Reitersmann sein.

Das Pferd ist verängstigt, er reitet geschwindt.

Vor Sonnenaufgang im Morgenwind

bricht er sich’s Genick und dem Rappen ein Bein.

.....Armes Schwein!

















Jahresmitgliederversammlung der BI


Am 18.05.2004 fand die diesjährige Jahresmitgliederversammlung mit der Wahl des Vorstandes und Benennung des Beirates statt. Nach einem kurzen Rückblick auf die vergangenen Monate stand diesmal der Blick nach vorn auf die bevorstehenden Kommunalwahlen am 13. Juni im Mittelpunkt der Ausführungen des Vorstandes und der Diskussion. Immerhin kandidieren neun BI-Mitglieder in der Wählergruppe Frischer Wind für Lubmin für die Gemeindevertretung Lubmin: Die Damen Fischer, Hoffmann, Schirmer und Züge sowie die Herren Dreflack, Köhler, Krüger, Dr. Kühnemann und Dr. Lange, wobei der Vereinsvorsitzende auch als Kandidat für den Bürgermeisterposten antritt. Diese starke Kandidatur ist die logische Konsequenz aus unserer bisherigen Vereinsarbeit zum Wohle unserer Gemeinde”, war die einhellige Meinung aus der Versammlung.

Der bisherige Vorstand mit Herrn Dr. Kühnemann, Herrn Köhler und Frau Rahn wurde mehrheitlich in seinem Amt für ein weiteres Jahr bestätigt.






Gedächtnislauf


Wenn möglich, laufe ich jeden Sonntag ausgiebig durch unsere wunderschöne Natur. Was hat das denn mit einem Gedächtnislauf zu tun, wird sich mancher fragen. Ein Gedächtnislauf wird doch zum Andenken an eine Person durchgeführt, um deren Verdienst zu würdigen oder aber einer wichtigen Sache zu gedenken. Aber man mag es mir glauben oder nicht, gerade während des Laufes gehen mir so viele Gedanken durch den Kopf. Das Gedächtnis springt ebenso wie meine Beine. Und immerwieder kommt mir dabei vor Augen: Dieser Wald soll weg! Lubmin wäre dann nicht mehr Lubmin.

Mein sonntäglicher Kampf gegen den eigenen Schweinehund wird begleitet vom Chor der Waldvögel, als wenn sie mir zuriefen: ”Mach weiter so – Laufe und laß auch deinen Gedanken freien Lauf!”

Bis vor kurzem traf ich noch hin und wieder Reiter. Man hat sich gegrüßt, ein paar Floskeln zu gerufen oder ganz einfach den schönen Anblick der stolzen Rosse genossen.

Aber sonst treffe ich bei meinem Läufen auch viele Lubminer mit ihren Hunden oder Naherholer mit dem Fahrrad oder als Spaziergänger. Ein einfaches “Hallo” wird mir da schon mal zugerufen. Irgendwie toll, dieser Wald. So viele tanken Kraft für die Bewältigung der Alltagsprobleme.

Noch! Und das soll bald vorbei sein?! Der Anfang vom Ende! Da habe ich also doch schon einen Grund für einen Gedächtnislauf!

Ein klirrendes Bim- bim- bim und “Vorsicht!” reißt mich wieder aus meinen Gedanken. Eine Gruppe von Radfahrern überholt mich. Eine fröhliche und ausgelassene Stimmung zieht mit ihnen. Es geht Richtung Strand; der Sommer steht vor der Tür. Bald werden noch mehr mit dem Rad oder nur zu Fuß kommen. Oder doch nicht? Muß denn diese Idylle sterben?


















Inzwischen habe ich die zweite Runde absolviert. Der Körper signalisiert: Aufhören! Ich verspüre aufkommende Schwäche. Nein, nicht nachgeben, den Triumph überlasse ich nicht dieser Eigenschaft. Obwohl nachgeben und Schwäche eigentlich „in“ sind. Oder ist es Gedankenlosigkeit, Käuflichkeit oder sogar sozialistische Gewohnheit, wenn der schwache Arm leichtfertig nachgibt und sich nach oben bewegt, um Beschlüsse zu verabschieden, die dieses schöne Lubmin sterben lassen sollen? Als ich den Ortsrand wieder erreiche und an einer flachen weißen Villa auf kahler Waldfläche vorbei trabe, kommt mir dann doch der Gedanke für das Motto für meinen Gedächtnislauf.

Für echte Demokratie und für selbstbewußte Lubminer Bürger!


Die nächste InfoBrief 16 ist für September 2004 geplant.